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Hamburg - attraktiver und nachhaltiger zum Umsteigen bewegen 

Angebote schaffen statt nur Nachfrage bedienen -  mit dieser Offensive hat die Stadt Hamburg beschlossen, proaktiv in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren, mit dem Ziel, Pendler dazu zu bringen, auf umweltfreundlichere, nachhaltigere städtische Mobilitätslösungen umzusteigen.

Wenn man einen Deutschen nach Hamburg fragt, wird man vermutlich zu hören bekommen, dass es Deutschlands Tor zur Welt ist. Die an der Elbe gelegene Stadt hat den drittgrößten Hafen Europas und verbindet somit Deutschland mit dem Rest der Welt.

Als Außenstehender lässt sich die Stadt jedoch nicht so leicht charakterisieren. Hamburg scheint voller Widersprüche zu sein. Neuankömmlinge haben von Hamburg zunächst den Eindruck einer typischen deutschen Stadt: weitläufige grüne Parks gepaart mit neoklassizistischer Architektur. Doch wenn man genauer hinsieht, kann man überall fremde Einflüsse entdecken: die Küche ist baltisch angehaucht, es gibt eine große englischsprachige Gemeinde und die Hamburger haben sogar die Redensart: „Wenn es in London anfängt zu regnen, spannen die Hamburger den Schirm auf“.

Es geht nicht nur darum, den Beförderungsbedarf zu decken. Stattdessen sollte man wegweisend sein und den Pendlern ein erstklassiges Fahrerlebnis bieten, sodass die Leute von sich aus zu den öffentlichen Verkehrsmitteln wechseln.

Mit ihren unzähligen berühmten Kirchen, Museen und Theatern gilt Hamburg als weltgewandt und ein Ort der Hochkultur. Doch die Stadt ist auch für ihre berühmte Punkrock-Szene und eine spürbare Atmosphäre der Gegenkultur bekannt. In Hamburg ist man sich auch nicht einig, welchen örtlichen Fußballverein man unterstützen soll, denn ein Großteil der Stadt ist in zwei Lager gespalten: die Anhänger des linken Kultvereins FC St. Pauli und die des Traditionsvereins Hamburger SV. Hamburg ist offenbar eine Stadt, in der nicht viel Einigkeit herrscht.

Moderne, nachhaltige Mobilität als gemeinsames Anliegen

Der DT5 ist in Hamburg seit 2012 im Einsatz.

Doch über eines scheint man sich in Hamburg zumindest einig zu sein: wie wichtig ein starkes städtisches Mobilitätsnetz ist. Dies lässt sich allein schon an der Strategie des Hamburger Verkehrsunternehmens Hamburger Hochbahn (HOCHBAHN) erkennen. Hier setzt man auf Anziehungskraft und Attraktivität, um die Hamburger dazu zu bringen, vom Auto auf die öffentlichen Verkehrsmittel umzusteigen. Ganz einfach: Es geht nicht nur darum, den Beförderungsbedarf zu decken. Stattdessen sollte man wegweisend sein und den Pendlern ein erstklassiges Fahrerlebnis bieten, sodass die Leute von sich aus zu den öffentlichen Verkehrsmitteln wechseln. 

Um dies zu erreichen, hat sich die HOCHBAHN auf drei wichtige Bereiche konzentriert: die Bereitstellung eines zuverlässigen Fahrplans, die Sicherstellung von hohem Fahrgastkomfort und Nachhaltigkeit. Diese ganzen Vorteile sollen überzeugen und überall in der Stadt zu einer Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene führen.

Doch es ist gar nicht so einfach, einen Deutschen dazu zu bewegen, sein Auto stehen zu lassen. Aus diesem Grund hat die HOCHBAHN in Zusammenarbeit mit der Landesregierung massiv in den Aufbau eines erstklassigen, modernen und nachhaltigen öffentlichen Mobilitätsnetzes als bessere Alternative zum Privatauto investiert.

Der Plan begann mit einem Ausschreibungsverfahren, und 2006 erhielt ein Konsortium aus Alstom und Bombardier Transportation den Auftrag zur Lieferung von Nahverkehrszügen der nächsten Generation für die Stadt Hamburg. Im Rahmen des Vertrages sollte Alstom die mechanischen Systeme liefern, während Bombardier das Antriebssystem und die elektrischen Anlagen sowie das Fahrgastinformationssystem und die Fahrzeugsteuerungstechnik bereitstellen sollte. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist der Hamburger U-Bahn-Zug vom Typ DT5. 

Erstklassiger Fahrgastkomfort

Diese neuen Fahrzeuge ergänzen die ältere DT3- und DT4-Flotte in Hamburg und bilden das Rückgrat des von der HOCHBAHN entwickelten Plans für attraktive städtische Mobilität. Der dreiteilige DT5-Zug ist breit und geräumig und bietet 96 Sitzplätze sowie 128 Stehplätze mit zusätzlicher Stellfläche für Rollstuhlfahrer. Die neue Flotte in Hamburg gehört außerdem zu den leisesten weltweit und ist nach Hamburger Art gestaltet.

Mit dem DT5 soll der Fahrgastkomfort noch weiter erhöht werden, und es ist der allererste U-Bahn-Zug in Hamburg, der über durchgehende Wagen und Klimaanlage verfügt, um der drückenden Sommerhitze entgegenzuwirken. 

Die Hamburger U-Bahn ist eines der leisesten U-Bahn-Systeme der Welt.

Die zusätzlichen DT5-Züge, die voraussichtlich Mitte 2020 den Fahrgasbetrieb aufnehmen und werden über 24-Zoll-Infotainment-Displays verfügen, die noch größer sind als die jetzigen 15-Zoll-Displays.

Die Züge wurden erstmals 2012 auf der neuen Linie U3 eingesetzt und sind mit zusätzlichen Vorrichtungen ausgestattet, beispielsweise Sprinkler-anlagen und USB-Ladeanschlüsse für die Fahrgäste. Zudem gibt es ein Videoüberwachungsnetz und ein verbessertes Fahrgast-informationssystem mit Video-Displays.

Das Fahrgast-Infotainmentsystem ist mit dem neuen, hochmodernen LTE-basierten Zug-Schiene-Kommunikationssystem (TWC) der Linie kompatibel, das im Sommer 2020 implementiert werden soll. Neben der Verwaltung der Signal- und Zug-steuerungsdaten bietet das TWC-System auch zusätzliche Funktionen für das Infotainmentsystem, beispielsweise gezielte, dynamische Inhalte.

Kurzinfos: Hamburger U-Bahn

106 km Streckenetz

5 Minuten Takt

92 Haltestellen

664.380 Fahrgäste täglich

861 Wagen

242,5 Mio Fahrgäste pro Jahr

Mehr Zuverlässigkeit

Um jedoch Autofahrer von den Vorzügen des Schienenverkehrs zu überzeugen, musste der DT5 mehr bieten als nur Komfort. Er musste zuverlässig sein, denn verbesserter Service war der zweite wichtige Punkt im Plan der HOCHBAHN.

Die Strategie besteht darin, dass die Fahrgäste ihre Fahrten durch einen zuverlässigen und regelmäßigen Service nach eigenen Vorstellungen planen können. Wenn Fahrgäste ständig auf Züge warten müssen, keinen Sitzplatz finden oder nicht pünktlich abfahren und ankommen, dann kann der öffentliche Nahverkehr mit den Freiheiten, die das Autofahren bietet, niemals mithalten.

Der regenerative Fahrmotor des DT5 sorgt für mehr Nachhaltigkeit, indem die kinetische Energie, die beim Bremsen entsteht, zurückgewonnen und in das Antriebssystem des Fahrzeugs zurückgespeist wird.

Daher musste der neue DT5 das Aushängeschild für das erweiterte Mobilitätsangebot in Hamburg sein. Die erste Linie in Hamburg, die U1, wurde in den 1920er Jahren in Betrieb genommen und im Laufe der Jahrzehnte ausgebaut. Die Anfänge der zweiten Linie, die U2, liegen in den 1960er und 1970er Jahren, und in den 1990er Jahren wurde sie noch weiter ausgebaut. Der DT5 wurde jedoch erstmals auf der neuen Linie U3 eingesetzt und spielt eine wichtige Rolle beim Ausbau der Mobilitätslösungen. Der Zug dient außerdem zur Unterstützung der weiteren Expansionspläne in Hamburg. Seit 2017 gibt es in Hamburg durchschnittlich nahezu 250 Millionen Fahrten pro Jahr, wobei gemäß dem Expansions- und Verbesserungsplan der HOCHBAHN rund 660.000 Fahrgäste täglich befördert werden. An Wochentagen sind für die Fahrgäste auf der Linie U3 alle zehn Minuten vier Züge vorgesehen (zwischen 6 Uhr und 21 Uhr). Die Wartezeit beträgt in Spitzenzeiten gerade einmal drei Minuten, und an den Wochenenden sind die Taktzeiten fast genauso kurz. 

Nachhaltige Personenbeförderung

Im Juni 2019 hat die Hamburger Hochbahn weitere 32 DT5-U-Bahn-Züge bestellt, um ihr erweitertes Mobilitätsangebot zu unterstützen.

Der dritte Teil des Plans wurde ebenso ernst genommen: Nachhaltigkeit. Schließlich erhielt Hamburg im Jahr 2011 den Titel „Grüne Hauptstadt Europas“, und die HOCHBAHN wollte ein Fahrzeug, das Vorbildcharakter hat. So wie alle Züge von Alstom, ist der DT5 zu 95 % recyclebar. Das heißt, wenn die Flotte das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hat, kann nahezu der gesamte Zug verschrottet und wiederverwendet werden. Im DT5 wird zudem ein regenerativer Fahrmotor eingesetzt, der über die gesamte Lebensdauer für mehr Nachhaltigkeit sorgt, indem die kinetische Energie, die beim Bremsen entsteht, zurückgewonnen und in das Antriebssystem des Fahrzeugs zurückgespeist wird.

2018 hat die Hamburger Hochbahn AG weitere 13 Züge bestellt, sodass die Gesamtanzahl der bestellten Fahrzeuge auf 131 erhöht wurde, und im Sommer 2019 folgte ein weiterer Abruf für 32 weitere dreiteilige Züge. Durch diesen Auftrag erhöhte sich die Anzahl auf insgesamt 163 Fahrzeuge. Die ersten Züge im Rahmen dieser zwei zusätzlichen Aufträge werden voraussichtlich im Sommer 2020 den Fahrgastbetrieb aufnehmen, und die letzte Lieferung ist für Herbst 2022 geplant. Im Februar 2019 haben Bombardier, Alstom und die HOCHBAHN die 100. DT5-Lieferung mit einer offiziellen Veranstaltung und einer Sonderfahrt im 100. Fahrzeug zur neuen U-Bahn-Station Elbbrücken auf der Linie U4 gefeiert.

Was die Zukunft bereithält

Hamburg wächst weiter, und dieser Trend wirft die Frage auf, wie man den zunehmenden Verkehr in den Griff bekommen soll. Jedes Jahr ziehen Tausende von Menschen neu in die Stadt, sodass der Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr wichtiger ist denn je. Die Hamburger Hochbahn AG arbeitet fortlaufend an verschiedenen intelligent vernetzten Mobilitätslösungen, um die richtigen Transportmittel für die verschiedensten Bedürfnisse bereitzustellen. 

Empfohlenes Video

Im Mai 2018 erleben Fahrgäste in Hamburg ihre erste Fahrt im neuen klimatisierten S-Bahn-Zug BR490.